Ein Jahr Trauer-Café: Raum für das, was die Trauer mitbringt

Vor einem Jahr haben wir, Katharina Klenke und Martin Niemann, damit begonnen, einmal im Monat zu einem Trauer-Café einzuladen. Unsere Hoffnung war, einen Ort bereit zu stellen, an dem Menschen mit ihrer Trauer willkommen sind, unabhängig davon, wie lange der Verlust zurückliegt, wie unterschiedlich ihre Erfahrungen sind oder welcher Konfession sie angehören.

Rückblickend erfüllt es uns mit Dankbarkeit zu erleben, wie sich dieses Angebot entwickelt hat.

Wir haben bewusst auf vorgegebene Themen verzichtet. Trauer folgt keinem Plan. Deshalb bringen die Teilnehmenden selbst die Themen mit, die sie gerade beschäftigen. So entsteht ein Raum für das, was im jeweiligen Moment wichtig ist und Zeit, um sich darüber auszutauschen.

Im Laufe des vergangenen Jahres wurde über sehr unterschiedliche Erfahrungen gesprochen: über Einsamkeit, über Schuldgefühle und Ängste, über Wut, über sich verändernde soziale Kontakte, über den Verlust von Gewohnheiten und Ritualen, über veränderte Aufgaben und Herausforderungen im Alltag, über Friedhofsbesuche, besondere Gedenktage und die Frage, wie ein Leben ohne den geliebten Menschen und mit der Trauer weitergehen kann.

Dabei haben wir immer wieder erlebt, wie wertvoll es ist, wenn Menschen einander ohne Bewertungen und offen zuhören. Oft entsteht Entlastung nicht durch gute Ratschläge, sondern dadurch, dass Erfahrungen ausgesprochen werden können und auf Verständnis treffen. Viele Teilnehmende berichten, dass sie sich mit ihren Gedanken und Gefühlen weniger allein fühlen.

Wir erleben das Trauer-Café deshalb vor allem einen Ort der Begegnung. Ein Ort, an dem Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle ihren Platz haben, unterschiedliche Wege der Trauer respektiert werden und Menschen erfahren können, dass sie mit ihren Fragen und Gefühlen willkommen sind.

Das Trauer-Café findet weiterhin jeweils am letzten Sonntag des Monats von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr statt. Neue Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen.

Katharina Klenke und Martin Niemann

Kommentar verfassen